Martinimarkt

"Wenn et rähnt un schneit, es die Herrster Meß net weit." Am Tage vor dem Markt - er wurde am Donnerstag nach Martini (11. November), also etwa Mitte November, abgehalten - war großes Kuchenbacken im Gemeinde-Backhaus.
Am Markttage hörte man schon vor Tagesanbruch die Marktfuhren in den Ort hineinfahren. Am Vormittag des Marktages, während die Marktzelte aufgeschlagen wurden, fand der Viehmarkt statt. Am Mittag fand der Kram-Markt statt.

Die Landbewohner fanden sich von weit her ein um Einkäufe bei den Gerbern und Tuchmachern zu machen und sich auch an den Marktbuden mit Waren zu versorgen, die auf den Dörfern nicht zu kaufen waren. Unter den Verkaufständen nahmen die Lager der Spinnraddreher vor dem Uhrturm einen breiten Raum ein.

Bei den Geschäftsleuten des Ortes wurden die Kunden zum Kaffee, seltener zum Abendessen eingeladen. In den Wirtshäusern, wo neuer Wein und einheimisches Bier ausgeschenkt wurde, herrschte reges Leben. Am Abend fand in einem Wirtssaal Tanz für die Auswärtigen statt. Die Herrsteiner hatten ihren Ball am Tage nach dem Markt.
Heute findet der Markt immer am Samstag und Sonntag des ersten Wochenendes im November statt. Wie früher gibt es einen großen Kram-Markt mit über 80 Ständen und einer Vielzahl von Angeboten.

Des weiteren gibt es Platzkonzerte, abends großes Feuerwerk, Kinderkarussell, Herrsteiner Bauernbrot vom alten Backhaus, Wellfleisch, Martinsbrezeln für Kinder, Glühwein und viele andere Leckereien. Samstagabends geht es in die Turnhalle zu einem Rockkonzert.

Der Martinimarkt wird sonntags mit einem großen Martinsumzug beendet. Er führt vom Kindergarten aus über die Hauptstraße zum Markt und wird von über 300 Kindern, dem Jugendblasorchester und St. Martin zu Pferd begleitet.

Stichwort St. Martin: Martin von Tours, der noch heute populärste Heilige Frankreichs, wurde 317 nChr. als Sohn eines römischen Soldaten geboren und musste, wie sein Vater auch, frühzeitig das Soldatenhandwerk ergreifen. Während seiner Dienstzeit nahe des französischen Ortes Amiens schenkte er einem armen Menschen die Hälfte seines Mantels und rettete ihn so vor dem sicheren Tod des Erfrierens. Nach seinem Ausscheiden aus dem Armeedienst lebte er als Einsiedler auf einer Insel und wurde wegen seiner großen Hilfsbereitschaft vom Volke zum Bischof gewählt. 397 starb Martin von Tours in Candes an der Loire.